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Wenn das schlechte Gewissen das Ruder übernimmt und wie Du den Weg aus der Perfektionsfalle findest

„Das Schlimme ist, dass ich andauernd ein schlechtes Gewissen gegenüber meinen Kindern habe“, sagte sie leise in die Runde.

 

Betretenes Schweigen.

 

Niemand verstand es so richtig.

 

Ausgerechnet diese strahlende Frau?

Die Mutter, deren kleine Tochter so oft lachend auf ihrem Schoß herumturnte und sie dabei immer wieder liebevoll umarmte?

 

Ich war verwundert. 

 

Und im nächsten Moment auch wieder nicht.

 

Diese nagenden Gedanken sind in unserer Gesellschaft nicht ungewöhnlich. 

 

Und doch bin ich immer wieder erstaunt, wie tief sie sitzen – vor allem bei Menschen, von denen man es von außen am wenigsten erwarten würde. 

 

Es ist dieses schleichende Gefühl, einfach nicht gut genug zu sein, das uns das Herz schwer macht und uns die Leichtigkeit raubt, selbst in den schönsten Momenten des Lebens.

 

Die Perfektionsfalle im Außen: Der Druck  von „Supereltern“ und "Leistungsträgern"

Was passiert hier eigentlich mit uns? 

 

In einer Welt, die so stark auf Leistung, Optimierung und das perfekte Bild gepolt ist, sind wir ununterbrochen von gigantischen Erwartungen umgeben. 

 

Wir scrollen durch Social Media und sehen makellose Feeds, hören Geschichten von Menschen, die scheinbar alles mit einem Lächeln „wuppen“ und fühlen uns unter Druck gesetzt, immer die besten Entscheidungen zu treffen.

 

Doch in Wahrheit sieht vieles ganz anders aus:  Jeder von uns kennt Zweifel, Unsicherheiten und Momente, in denen man sich traurig, verzweifelt oder schlichtweg überfordert fühlt. 

 

Wenn wir in diesen Momenten den Maßstab der Perfektion anlegen, fragen wir uns unweigerlich:

 

„Kann ich genug? Mache ich genug? Reiche ich aus? Kann ich das geben, was gebraucht wird?“

 

Wie ein Schatten können sich diese Selbstzweifel über unseren Alltag legen uns das Gefühl, ständig zu versagen.

 

Wo das schlechte Gewissen seine Wurzeln hat

Ständige Selbstzweifel fallen nicht plötzlich so vom Himmel. 

 

Sie sind meistens tief in den Erfahrungen unserer eigenen Vergangenheit verwurzelt.

 

Vielleicht haben wir von klein an gelernt, dass Liebe und Zuwendung an Bedingungen oder Leistungen geknüpft sind. 

 

Vielleicht hatten wir das Gefühl, nie ganz zu genügen, egal wie sehr wir uns anstrengten.

 

Wenn wir selbst als Kinder nicht ausreichend gehalten wurden oder traumatische Erlebnisse hatten, bleibt oft eine schmerzhafte Lücke zurück, die sich nie ganz zu schließen scheint. 

 

Erst recht nicht, wenn wir krampfhaft versuchen,  sie zu kontrollieren.  

 

Echte und tief verankerte Sicherheit, nach der wir uns so sehr sehnen, bleibt aus. 

 

Diese alten Wunden können sich hartnäckig auch noch Jahrzehnte später in unserem Erwachsenenleben zeigen - als unser größter Kritiker. 

 

Radikale Erlaubnis: Alle Gefühle sind richtig

Es ist ein entscheidender Schritt auf dem Weg zur emotionalen Freiheit, diese Gedanken zu beobachten, sie zu erkennen und liebevoll zu hinterfragen:


„Ist das, was mein innerer Kritiker da behauptet, wirklich wahr?“


Dann stellen wir fest, dass wir meistens viel mehr tun und geben, als uns selbst bewusst ist.

 

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, uns selbst die Erlaubnis zu geben, unperfekt zu sein und unsere Emotionen zu akzeptieren, ohne sie sofort zu bewerten oder weghaben zu wollen.

 

Eine wundervolle, weise Frau, die mich selbst lange Zeit auf meinem Weg begleitet hat, sagte mir einmal einen Satz, an den ich mich immer wieder erinnere: 

„Alle Gefühle in unserem menschlichen DaSein sind erlaubt - doch nicht alle Handlungen.“

Das heißt: Es ist völlig in Ordnung, Wut, Frustration, Zweifel oder tiefe Traurigkeit zu empfinden. 

 

Entscheidend ist, wie wir damit umgehen. 

 

Schwierige Emotionen sind zutiefst menschlich.

 

Wenn wir uns erlauben, sie fließen zu lassen, anstatt sie wegzudrücken (und das gilt übrigens insbesondere auch für die intensiven Gefühle unserer Kinder!), schaffen wir den Raum für echte, authentische Verbindung.

 

Achtsamkeit als Lebenshaltung: Der sichere Hafen in dir selbst

Sich einzugestehen, dass das Leben gerade zu viel ist, es offen auszusprechen und sich Hilfe zu holen, ist kein Zeichen von Schwäche.


Es ist gelebte, achtsame Selbstfürsorge.


Indem wir ehrlich und nahbar sind, zeigen wir unserem Umfeld – und ganz besonders unseren Kindern –, dass man nicht perfekt sein muss, um geliebt zu werden.


Stell dir vor, wie befreiend es sein kann, dir selbst die Erlaubnis zu geben, einfach DU zu sein. 


Weil du aufgehört hast, nach einem unrealistischen Ideal zu streben. 


Wenn wir uns selbst in unserer Verletzlichkeit annehmen, werden wir zu einem sicheren Hafen.


Achtsamkeit ist mittlerweile ein Modewort und wird an vielen Stellen falsch platziert und im Zusammenhang mit Selbstoptimierung interpretiert. 


Ich habe sie nie als starres Tool oder Technik gesehen, die man mal eben „anwendet“, sondern als grundlegende Lebenshaltung verinnerlicht.


Achtsamkeit lädt uns ein:

  • uns bewusst unperfekt da sein zu lassen,

  • unserer eigenen Intuition wieder zu vertrauen,

  • den Druck rauszunehmen und

  • uns für uns selbst zu öffnen, um die Türen zu anderen weit aufzustoßen.

Wir sind nicht unsere Wunden und Narben. 


Doch weil wir sie erfahren haben und sie heute annehmen dürfen, können wir sie als Kompass nutzen, um authentischer zu kommunizieren und uns spürbar zurück ins Leben einzulassen.

Wie gehst du mit schwierigen Gefühlen und deinem inneren Kritiker um?

Plagt dich auch dauern ein nagendes, schlechtes Gewissen oder der Wunsch, alles perfekt machen zu müssen?


Schreib es mir gern. 


Mein Raum für dich ist offen.

 

Deine Sylvia Schütz




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