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Die geliehene Mutter: Über die Legalisierung der Leihmutterschaft und das kalkulierte Bindungstrauma bei Babys


Melancholie von werdender Mutter, die in schwarz-weiß Ansicht mit Rosé seitlich vor einem Fenster steht und schützend die Hand auf ihren Bauch hält, symbolisch für die emotionale Belastung bei Leihmüttern und dem Bindungstrauma bei Babys - mein schützling
„Ein Baby kennt keine Verträge. Es sucht nur die Stimme, den Geruch und den Herzschlag, der ihm vertraut ist und Sicherheit gibt.“

In aktuellen politischen Talkshows und Debatten rund um die Legalisierung der sogenannten „altruistischen Leihmutterschaft“ in Deutschland wird leidenschaftlich diskutiert.

 

Es geht um Paragrafen, Verträge, ethische Richtlinien und die (verständliche) Sehnsucht von kinderlosen Paaren nach ihrem Wunschbaby.

 

Doch in den ganzen öffentlichen Diskussionen bleiben die wichtigsten Rufe meistens ungehört, obwohl sie das verletzlichste Glied in dieser Kette sind: die stummen Stimmen der ungeborenen Babys und die fundamentale Frage dahinter, die die moderne Fortpflanzungsmedizin so gerne umschifft:

 

Kann man sich eine Mutter wirklich leihen? 🤔

 

Aus meinem Blickwinkel der bindungsbasierten Achtsamkeit gibt es darauf nur eine Antwort: Nein. Man kann sich vielleicht einen Uterus mieten. Doch man kann sich keine Mutter leihen. Denn für ein ungeborenes Kind ist die Frau, die ihm das Leben schenkt, kein „Austragungsort“ und keine Dienstleisterin.

Sie ist seine gesamte existenzielle Welt.

 

Die Perversion des Systems: Der Körper als reiner Brutkasten

Um die psychologische Wucht dieser Debatte zu verstehen, müssen wir einen Blick hinter die Kulissen der Verträge werfen. In den allermeisten Fällen wird die Leihmutterschaft heute als sogenannte „gestationelle Leihmutterschaft“ durchgeführt. Das bedeutet: Die Eizelle stammt fast nie von der Frau, die das Kind austrägt, sondern von einer oft anonymen Spenderin.

 

Millionenschwere Agenturen und Kliniken trennen Eizellspende und Schwangerschaft ganz bewusst und aus einem Grund, der an rationalen Kalkül kaum zu überbieten ist: Es geht vorrangig um juristische Schadensbegrenzung.

 

Wenn die austragende Frau nach der Geburt ihre Rechte an dem Kind einfordern oder den Vertrag anfechten möchte, weil ihre mütterlichen Instinkte einsetzen und sie das Baby doch lieber behalten will, jedoch keine nachweisbare, genetische Verbindung besteht, wird es ihr rein rechtlich in vielen Ländern sehr schwer fallen, das durchzusetzen.

 

Somit wird ihr Körper dadurch im wahrsten Sinne des Wortes ausschließlich zu einem biologischen Brutkasten degradiert, um den Besitzanspruch der Käufer juristisch abzusichern.

 

Die 3-fache Spaltung eines Lebens, das gerade erst begonnen hat

Für das ungeborene Kind bedeutet dieses Verfahren eine traumatische Aneinanderkettung seiner gesamten Identität, noch bevor es überhaupt das Licht der Welt erblickt hat.

 

Es wächst in einer 3-fachen existenziellen Spaltung heran:

  1. Die genetische Mutter: Die Frau, von der es das Erbgut, das Aussehen und die biologischen Anlagen hat, ist häufig eine anonyme Nummer in einer Eizellbank.

  2. Die austragende Mutter: Die Frau, die es neun Monate lang ernährt, schützt und pränatal prägt, deren Herzschlag es hört, wird nach der Geburt vertraglich zur Fremden erklärt.

  3. Die sozialen Eltern: Die Menschen, bei denen es aufwächst, die aber in den so prägenden ersten neun Monaten im Bauch biologisch, chemisch und hormonell überhaupt nicht existiert haben.

Bindungspsychologie und Epigenetik zeigen uns heute deutlicher denn je: Schwangerschaft ist kein technischer Reifungsprozess in einem neutralen Gefäß. 

 

Und aus der pränatalen Bindungsforschung ist längst bekannt: Das ungeborene Kind entwickelt sich schon im Mutterleib zu einem fühlenden, lernenden und zutiefst beziehungsfähigen Wesen. 

Immer intensiver lauscht es der Stimme der Schwangeren und dem vertrauten Herzschlag, es schmeckt das Fruchtwasser und ist über den Hormonkreislauf untrennbar mit ihr verbunden.

 

Doch: Um diesen Vertrag am Tag der Geburt überhaupt emotional standhalten zu können, darf das innere System der sog. Leihmutter – häufig auch ganz unbewusst und aus rein psychischem Eigenschutz – keine Bindung zu dem Kind aufbauen.

 

Das Baby kann die Gefühle der Mutter zwar nicht in Gedanken lesen, doch es spürt sie körperlich.

 

Über seine feinen Kanäle erlebt es jede ihrer emotionalen Schwingungen mit: Ihre Freude als auch ihre Sorgen spiegeln sich direkt in seinem eigenen Erleben wider.

 

Ihre innere Distanzierung, die permanente Unruhe, die unterdrückten Ängste vor der Geburt und der anstehenden Abgabe sowie damit verbundene Schuldgefühle: Dauerhafte Gefühle der Ablehnung oder des Stresses schaffen eine biochemische Atmosphäre, die das heranreifende Nervensystem des Babys spürbar mitformt.

 

Der radikale Abbruch  am Tag der Geburt

Als wären diese emotionalen Verkettungen nicht schon herausfordernd genug, wird im Leihmutterschaft-System nichts dem Zufall überlassen, d.h. bis zum Kreißsaal durchgetaktet.

 

Um das logistische „Termin-Shopping“ der Wunscheltern abzusichern und das Haftungsrisiko der Kliniken zu minimieren, werden diese Babys überproportional häufig per geplantem Wunsch-Kaiserschnitt geholt.

 

Für das Kind bedeutet das einen weiteren Aspekt mit Trauma - Potenzial:  Es wird urplötzlich aus der Gebärmutter geholt und kann sich somit weder hormonell noch körperlich auf seine Geburt einstellen. 

 

Kurze Zeit später folgt dann der absolute emotionale SUPER-GAU:

Der kalkulierte Bindungsabbruch mit der Mutter. 

 

Ein Neugeborenes weiß nichts von Genetik, DNA-Tests oder rechtlichen Verträgen. Deswegen kann es nur rein sensorisch auf die Prägungen reagieren, die es im Mutterleib erfahren hat.

Für sein Nervensystem zählt nur alles Vertraute aus dem Bauch der Schwangerschaft.  
  • Die Suche nach Sicherheit: Es sucht instinktiv nach der Stimme und dem Geruch der Mutter und nach dem Herzschlag, den es neun Monate lang gehört und gespürt hat.
  • Das absolute Vakuum: Wenn dieser Kontakt ausbleibt, kann das Baby in einen Zustand tiefster Verwirrung und Todesangst geraten und sein bisheriges Sicherheitsnetz, auf dem das Urvertrauen idealerweise aufsetzen kann, reißt vollständig ein. 

Erschwerend kommt hinzu, dass diese Kinder später oft lebenslang mit einer unergründlichen, anonymen Leere in ihrer weiblichen Ursprungslinie leben müssen. Da der gesamte Prozess oft völlig inkognito abläuft, wird ihnen das elementare Recht genommen, jemals nach den leiblichen Wurzeln ihrer eigenen Entstehung, ihrer Genetik und ihrer Schwangerschaft zu suchen.

Es wird deshalb vermutlich nie erfahren, von wem es seine Augen, seine Talente oder eventuelle medizinische Veranlagungen und Risiken geerbt hat.

 

Viele Betroffene beschreiben diesen Zustand der Leere als Fass ohne Boden in sich oder als tiefes entwurzelt sein, wenn sie sich selber im Spiegel betrachten, ohne zu wissen, woher die eigenen Gesichtszüge stammen. 

 

Der Versuch von Schadensbegrenzung bei der Übergabe

In der Praxis sieht es bei der Übergabe am Geburtstermin häufig so aus, dass die Wunscheltern im OP (oder direkt nebenan) bereitstehen, um das Kind nackt (Haut an Haut) zu sich zu nehmen, um das erste Bonding zu erleichtern und um Trauma abzufedern. Ansich ist das ein guter Ansatz, der jedoch niemals eine automatische Auswechslung für die vertraute biologische Mutter sein kann.
  • Was diese Vorgehensweise leisten kann:  Körperwärme und ein entspannter Herzschlag von liebevoll zugewandten Menschen helfen dem überreizten Nervensystem eines Babys, seinen Cortisolspiegel (das Stresshormon) abzuflachen. Das kann sehr hilfreich sein, um das Kind nicht in völlige Hilflosigkeit kollabieren zu lassen.  
  • Was es jedoch nicht leisten kann:  Bei dieser ersten Begegnung treffen völlig fremde Menschen in einer hochemotionalen Situation aufeinander, in der niemand genau vorhersehen kann, wie die Reaktionen jedes Einzelnen ausfallen werden. Vor allem ist jedoch das neugeborenen Kind dem Ganzen völlig ausgeliefert und muss sich direkt innerhalb der Verlustsituation mit der biologischen Mutter auf eine komplett neue sensorische Umgebung einstellen.
Hier zeigt sich die ganze Härte der Leihmutterschafts-Industrie.
Und damit dies überhaupt funktionieren kann, verlangt das System von allen Beteiligten eine Form von Dissoziation (Abspaltung):
  • Die austragende Frau muss ihre Schwangerschaftshormone und aufsteigende Gefühle gegenüber dem Kind unterdrücken
  • Die auftraggebenden Eltern müssen die traumatische Situation des Kindes als auch der Leihmutter ausblenden oder relativieren, um ihr eigenes Glück spüren zu können. 
  • Das Baby muss sich zwangsläufig anpassen, um sein Überleben zu sichern. 

Das System dahinter: Ausbeutung und Menschenhandel

Wenn wir über die emotionale Wunde des Kindes sprechen, dürfen wir die Augen vor der Realität der Frauen nicht verschließen. Die Debatte wird gerne mit dem edlen Begriff des „Altruismus“ romantisiert.

 

Doch schauen wir genauer hin: Es sind in der Regel nicht wohlhabende Leihmütter, die ihren Körper zur Verfügung stellen, sondern fast immer wirtschaftlich schwache, verzweifelte, junge Frauen in existenziellen Notlagen, die keine andere Wahl sehen, um sich selbst oder ihre eigenen Familien zu ernähren.

 

Hier treffen also i.d.R. finanzielle Privilegien auf nackte Armut.

 

Und wenn der Körper einer Frau aus finanzieller Not heraus funktionalisiert wird und ein lebendiges, fühlendes Menschenkind gegen Geld den Besitzer wechselt, müssen wir aufhören, weichgespülte Begriffe zu verwenden.

 

Das ist institutionalisierter Missbrauch, Ausbeutung und letztlich nichts anderes als moderner Menschenhandel.

 

Wenn der Kinderwunsch zur existenziellen Krise wird

Um die Tragweite des Gesamtkonstrukts besser zu verstehen, sollten wir uns auch für den Schmerz der Paare öffnen, die sich nichts sehnlicher wünschen, als endlich "ihr Baby" in den Arm schließen zu können. 

 

Für viele ist eine ungewollte Kinderlosigkeit kein banales Misslingen eines Lebensplans.

Dahinter steckt, vielleicht öfter als man meint, jahrelanges Trauma.

Schmerzhafte Gefühle von tiefer Trauer, Schuldzuweisungen für den eigenen Körper, der "versagt" hat und darüber hinaus oft von einer existenziellen Sinnsuche geprägt ist.

 

Viele haben jahrelange, kräftezehrende Fruchtbarkeitsbehandlungen hinter sich und der Schritt zur Leihmutterschaft wird dann oft als allerletzter Rettungsanker gewählt.

 

Es ist ihr Versuch, aus einer Ohnmacht auszubrechen und die Kontrolle über das eigene Lebensglück zurückzugewinnen.

 

Solch ein tiefsitzender Schmerz ansich verdient Empathie und volles Mitgefühl.

 

Doch so verständlich das auch sein mag: Trauma kann niemals durch das Zufügen eines neuen Traumas geheilt werden.

 

Wenn der eigene Heilungsweg darauf aufgebaut wird, dass andere Menschen – die austragende Frau und das neugeborene Baby – einen kalkulierten Bindungsabbruch mit potenziell traumatisierendem Gefühlschaos durchleben müssen, gerät das Gefüge wahrer Liebe aus dem Gleichgewicht.

 

Denn das eigene Urvertrauen lässt sich nicht auf den Trümmern eines anderen revitalisieren.

Die Probleme bestehen weiter. Sie tragen dann nur ein anderes Gewand. 

 

Die heilsame Alternative: Sich selbst heilen und die Arme für bestehendes Leben öffnen

Echte innere Heilung beginnt immer dort, wo wir aufhören, den Schmerz durch äußeren Zwang zu betäuben, und anfangen, uns liebevoll um uns selbst zu kümmern.

 

Für Paare mit unerfülltem Kinderwunsch bedeutet das vor allem eines: Erlaubnis zur Trauer.

 

Sich selbst die Zeit und den Raum zu schenken, den Verlust des biologisch „eigenen“ Kindes zu beweinen, den eigenen Körper wieder in Liebe anzunehmen und die ungeliebten Emotionen sanft zu integrieren – das ist der erste, essenzielle Schritt der Selbstfürsorge.

 

Erst wenn der eigene innere Schmerz gesehen und getröstet wird, löst sich der krampfhafte Zwang nach Kontrolle.

 

Wenn dieser Raum der Selbstliebe entstehen darf, wird oft der Blick frei für ein Wunder, das keine neuen Wunden reißt:

 

Auf unserer Welt und in unserem System warten unzählige Kinder darauf, gesehen zu werden.

 

Kinder, die bereits da sind und die oft schon durch schwerste Stürme gehen mussten.

 

Statt horrende Summen in eine Industrie zu stecken, die im Labor unter künstlich erzeugten Traumabedingungen neues Leben erzwingt, liegt die wahre Transformation darin, erst das eigene Herz zu heilen – und es dann möglicherweise für Kinder zu öffnen, die bereits verzweifelt nach Nähe, Verbindung und Schutz suchen.

 

Für Kinder eine sichere Basis zu sein, kann eine Chance für alle Beteiligten sein, die Lebenskräfte wiedererweckt und Sinnerfüllung schenkt.

 

Das ist gelebte Liebe, die frei von Verdrängung und unbewussten Schuldgefühlen wachsen kann.💓

 

Fazit: Sichere Bindung ist ein Grundrecht, kein Privileg

Der Wunsch nach einem Baby darf niemals über das fundamentale Recht eines kleinen Menschen auf eine unversehrte Bindung und ein sicheres Urvertrauen gestellt werden.

 

Ein Kind ist weder Projekt noch Konsumgut. Babys wie eine Ware zu behandeln, die man bestellen, bezahlen und vertraglich von ihren biologischen Wurzeln trennen kann, ist unmenschlich und stellt eine Verletzung der Menschenwürde dar.

 

Jedes Neugeborene braucht seinen sicheren Hafen – und dieser gelingt am ehesten im Bauch und an der Seite der Mutter, die es auf diese Welt bringt. ⚓️✨

 


Du möchtest dich tiefer mit dem Thema Bindung auseinandersetzen?

Auf meinem Blog findest du regelmäßig Impulse rund um bindungsbasierte Achtsamkeit, emotionale Freiheit und die Heilung von Wurzeln.⚓️

 


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